Laut einer Veröffentlichung des Finanzministeriums in Reaktion auf die im vergangenen Jahr abgehaltene Razzia wurden mehr als 600 Übertretungen verschiedener Gesetze, wie des Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes oder des Arbeitslosenversicherungsgesetzes gemeldet.
„Diese Reihe an Verstößen zeigt eines eindeutig: Amazon und alle anderen Paketdienstleister müssen Auftraggeber-Haftung übernehmen anstatt ihre Subunternehmer auszubeuten. Die großen Paketdienstleister drücken derzeit die Preise nach unten und die Mengen an ausgelieferter Ware nach oben. Die Zulieferer stehen unter Druck. So darf es nicht weitergehen!“, so Katarina Pokorny, Vize-Präsidentin des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes (SWV) und Obfrau der Fachgruppe Kleintransporteure in der Wirtschaftskammer Wien. Sie fordert in diesem Zusammenhang eine Ausweitung der Auftraggeber-Haftung auf die Branche der Paketdienstleister.
„Gegen Lohn- und Sozialdumping in der Paketzustellung hilft nur die Einführung der Auftraggeberhaftung analog zur Baubranche. Generalunternehmer müssen für die gesamte Auftragskette sicherstellen, dass Beiträge und Abgaben korrekt gezahlt werden, sowie eine Regelung dafür wie viele Subfrächterketten bestehen dürfen“, fordert die Fachgruppen-Obfrau der Wiener Kleintransporteure.
Unterstützung kommt von der Gewerkschaft für die Forderung der Transporteure im Fachverband für das Güterbeförderungsgewerbe in der WKÖ, wonach sich die österreichischen Transporteure zum Klimaschutz bekennen und fordern, dass jede Dienstleistung unter diesem Aspekt auch einen dementsprechenden Preis für die Kunden, der mittels eines Preisdumpinggesetzes im Straßengüterverkehr kontrolliert werden soll, haben müsse. „Versender von Waren müssen in Zukunft auch mit in die Verantwortung gezogen werden können, wenn in der Lieferkette nicht alle Gesetze eingehalten werden. Es kann nicht sein, dass Versender derartigen Druck auf Transporteure und Fahrer ausüben können, sodass sich diese in die Rechtslosigkeit treiben lassen müssen und dies zu Lohn- und Sozialdumping führt“, konkretisiert Karl Delfs, vida-Bundessekretär für den Fachbereich Straße und fügt hinzu, dass die Gewerkschaft die Sorgen der Transporteure über den unfairen Wettbewerb in Europa teilt: „Die Transporteure müssen von der Erpressbarkeit durch die Warenversender mittels einer gesetzlichen Regelung befreit werden. Denn obwohl die Versender derzeit nicht in die Haftungskette einbezogen sind, werden von ihnen die Preise gedrückt mit schädlichen Folgen für die Beschäftigten und die Frächter. Damit muss endlich Schluss sein.“
Zu lange habe die Politik weggesehen. Es ist auch im Interesse der Fahrer, dass jetzt endlich gehandelt wird, betont Delfs. „Wenn die Sozialpartner in der Branche trotz teilweiser unterschiedlicher Auffassungen bereit sind, gemeinsam zu handeln, kann es der Politik wohl nicht schaden, unsere Expertise zu nutzen. Der Nutzen daraus wäre zweifelsohne unmittelbar spürbar, für das Budget, durch massive Mehreinnahmen, genauso wie auch für die Sozialversicherung durch höhere Beitragsleistungen“, sagt der vida-Gewerkschafter. „Damit eine derartige gesetzliche Regelung auch entsprechend Wirkung zeigt, muss zur funktionierenden Kontrolle in Österreich ein „Full-Service-Provider“, konkret eine Bundesagentur für Güterverkehrskontrollen auf der Straße, in der alle Kontrollaktivitäten und Behörden gebündelt werden, eingerichtet werden“, fordert der vida-Gewerkschafter.
Entscheidend für einen erfolgreichen Kampf gegen Preis- und Lohndumping im Straßentransport ist jedenfalls, dass Versender bzw. Auftraggeber einer Sendung in Zukunft mit in die Verantwortung gezogen werden können, wenn in der Lieferkette nicht alle Gesetze eingehalten werden.